Beates Nordtour 

...eine Nordtour! (Beate und John mit der MS Fram unterwegs!)

Beate berichtet hier direkt und persönlich unter: http://www.unterwegsmitbeate.de

 

Spitzbergen...das größte Labor der Welt? 

 

John und Beate haben sich mit der MS Fram aufgemacht, Spitzbergen zu erobern. Wohl auch, um  Eisbären zu besuchen? Und vielleicht wollen sie einen klitzekleinen im Gepäck mit nach Haus bringen? Ich weiß nicht. Aber ich weiß, dass ich "ganz viel sehr neidisch" bin, denn ich wäre auch gerne dort. Spitzbergen, allein der Name versetzt mich schon  in höchste Reiselaune. Aber ist nicht, stattdessen sind John und Beate unterwegs.

Spitzbergen gehört offiziell zu Norwegen, besteht aus ca. 400 Inseln, liegt im nördlichen Eismeer, zwischen dem 74. und 81. Grad n.B. sowie zwischen dem 10. und 35. Grad  ö.L. Also weit nördlich des Polarkreises. Während die Küsten Spitzbergens im Sommer in der Regel eisfrei sind, kann das  Packeis im Winter bis zur Südspitze der Inselgruppe reichen. Naja, das klingt nicht gerade aufbauend. Aber jetzt haben wir ja Sommer und die beiden werden sich wohl entsprechend verhalten. Trau ich den beiden jedenfalls zu. Und auch, dass sie richtiges Schuhwerk mit im Gepäck haben, denn es gibt wirklich zwei Bergspitzen von 1713 m NN/Newtontoppen und 1712 m NN/Perriertoppen.  

Fjorde, Gletscher und ganz viele Eisbären kann man da sehen. Wenn man Glück hat natürlich. Aber man darf sich natürlich nicht fressen lassen. Das Klima ist ja wirklich kühl, auch im Sommer, denn die Eisbären brauchen ein kühles Klima. Aber zum Glück gibts ja für die Besucher den Golfstrom, der sich ganz schön breit macht und alles ein bisschen aufwärmt. Trotzden liegen die Jahresdurchschnittstemperaturen noch erheblich unter 0 Grad Celsius. Naja, wenn man dahin fährt, muss man halt ein bisschen frieren, so auch Beate und John.

Neben den Eisbären gibts auch Robben, Walrosse, Rentiere, Polarfüchse und  sogar Feldmäuse hat man schon gesichtet. Aber keine Travelmäuse. Noch nicht. Die kommen dann erst viel später dahin, wenn man sie läßt. Und ganz viele Vögel findet man dort. Sie fliegen durch die Lüfte und pfeifen dabei ein lustiges Liedchen. Im Chor zwitschern da die Papageientaucher, die Trottellummen, diverse Möwentypen, Eisvogel, Küstenschwalbe und manchmal hört man auch Gänse, Enten und Schneehühner trällern. Na, das Pfeifkonzert möchte ich auch hören. Ob John und Beate wohl ein Mikrofon mithaben, um die Töne zu konservieren? Na, aber eine entsprechende Fotoausrüstung wird ja wohl mit dabei sein, um wenigstens die Pflanzenwelt und auch die Eisbären im Bild festzuhalten. Über 100 diverse Blütenpflanzen soll es dort im hohen Norden geben, auch so simple wie Fingerkraut, Löwenzahn und Wollgras. Alles schön im Wechsel mit Moosen und Zwergbirken.

Richtige Einwohner hat Spitzbergen nicht so viele. Vielleicht zählen die beiden mal durch. Sie kämen vielleicht auf gute 2 500, Eisbären natürlich nicht mit gezählt. Aber das werden die ja wohl unterscheiden können. Ein Teil der Einwohner beschäftigt sich mit Forschung. Sie untersuchen Dinge, die ein normaler Mensch nicht weiß oder sich erst gar nicht dafür interessiert. Hauptsache ein preiswerter Aufenthalt auf Spitzbergen. Geforscht wird besonders zu den Themen Meteorologie, Geomagnetismus und Polarlichter. Und irgendwann haben die Forscher dann doch genug vom Forschen und wollen dann auch wieder weg. Machen sie auch. Aber einige andere haben sogar dort viel Kohle bekommen. Riesige Kohlelager soll es dort geben, die man gefördert hat. Die Typen wollten dann nicht so schnell weg, aber inzwischen hat man sie auch überzeugt, dass sie gehen müssen. Kein Wunder, dass die Einwohnerzahl nicht größer wird.

Aber seit 2008 gibts was sehr Interessantes, dass vielleicht mit der Zeit doch die Zahl steigen läßt: eine sogenannte Pflanzensamenbank. Junge, Junge, das ist ja vielleicht was Ungewöhnliches. Ob John und Beate das sich ansehen? Läßt man sie überhaupt da hinein? Eine internationale Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht, weltweit Nutzpflanzen (Reis, Gerste, Weizen, Bohnen ...) zu erhalten, um so im Extremfall, beispielsweise bei Atomkrieg, Naturkatastrophen oder Pflanzenepidemien, die Ernährung der Menschheit zu sichern. Dazu hat man hier bis zu 4,5 Millionen (und viel mehr...!) Samenproben (je Probe enthält 500 Samen) in einem Samenbunker bei ca. - 18° C  120 m tief im Permafrostboden deponiert. Und da kommt auch kein Eisbär dran. Auch keine Feldmäuse.

In der Stadt Longyearbyen  gibts sogar Touristen. Ganz viele. In einer Saison sollen es bis zu 70000 sein. Natürlich nicht an einem Tag. Sondern gezählt über den ganzen Juli und August. Manche davon zwischen März und Mai, weil die nämlich ein besonderes Licht sehen möchten. Dann sieht man einige Unverwüstliche auf Hundeschlitten und Schneemobilen schnittig durch die Gegend  Spitzbergens gleiten. Hat alles Expeditionscharakter. Manche fallen nämlich auf die Nase, weil es doch da keine richtigen Straßen gibt. Na, das wird John und Beate nicht passieren, da bin ich mir sicher. Und sie wissen auch, dass man Eisbären nur im Notfall lahm legen darf, denn sie stehen ja unter Naturschutz.

Etwas steht nicht unter Naturschutz, ist aber ein Naturphänomen und kann man auch auf Spitzbergen sehen, wenn man Glück hat. Dabei sind Nordlichter ganzjährig da, aber man sieht sie nicht. Nicht, weil wir keine Brille haben, sondern, weil das normale Tageslicht zu hell ist. Also nur nachts und im Winter. Sie kommen meistens in einer Höhe zwischen 90 und 150 km oberhalb der Erdkruste vor. Und da nur in einem Gürtel rund um den magnetischen Pol in einem Abstand von ca. 2500 km davon entfernt.  Nordlichter entstehen, wenn große Mengen elektrischer (Sonnen-) Partikel mit großer Geschwindigkeit gegen die Erde längs dem Magnetfeld kommen und dann mit den oberen Schichten der Atmosphäre kollidieren. Dabei leuchtet das Gas, meist grünlich, aber auch manchmal andersfarbig. Na, ob das ein normaler Mensch versteht? Man muss ja auch nicht alles verstehen. Hauptsache, man kann es erklären. Auf einem Rückflug von den USA konnte ich 5 Stunden lang das Phänomen beobachten. Toll! Also, dafür muss ich nicht mehr in den hohen Norden fahren. Aber aus anderen Gründen schon.

Aber nach Spitzbergen möchte ich trotzdem. War ich nämlich noch nicht. Aber auf Grönland war ich ja auch schon. Und da gab es keine richtige Toilette. Mann, war das vielleicht ein Problem. Irgendwo konnte und durfte ich dann doch. Und genau dort habe ich vor Not meine Mütze, meinen Schal und meine Handschuhe liegen gelassen. Irgendwann werde ich mir das wieder abholen. Wäre mir das auf Spitzbergen passiert, hätte ich John und Beate gebeten, mir die Kleidungsstücke wieder mitzubringen.

Jedenfalls hoffe und wünsche ich den beiden eine ganz tolle Spitzbergen-Tour mit ganz vielen Erlebnissen und Eindrücken, die die beiden nie vergessen werden. Und ich geh mal davon aus, dass sie sich nicht von den Eisbären fressen lassen, weil  sie sich bestimmt zu wehren wissen.

Dani Berretti

 

Weitere Infos hier:

http://www.spitzbergen.de/landeskunde-und-tipps.html