Link zur Karte: Frigiliana
Reisetagebuch Andalusien –
Küste, weiße Wunder, Bergdörfer und eine Seezunge zum Abschluss
Heute starteten wir wieder einmal in Torrox-Costa, unserem sonnigen Ausgangspunkt für kleine und große Ausflüge entlang der Costa del Sol. Kaum waren wir unterwegs, zeigte uns die mediterrane Küste erneut, warum sie einfach nie langweilig wird: Das Meer glitzerte, als hätte jemand eine überdimensionierte Lampe angeschaltet, und die Straße verlief so elegant neben der Küste her, dass man meinen konnte, sie sei von einem besonders gut gelaunten Straßenplaner entworfen worden.
Also rollten wir – entspannt, neugierig und leicht vom Meereswind durchgepustet – östlich entlang der Küste mit Postkartenmotiven! Wir hätten
im Grunde alle 200 Meter anhalten können, aber wir wollten ja vorankommen.
Zwischenstopp: Frigiliana – Andalusisches Weiß in Reinform
Nach der schönen Küstenfahrt folgte der Abzweig nach Frigiliana, eines der berühmtesten „Pueblos Blancos“. Schon von weitem ist der Ort ein Hingucker: Er thront hoch oben, weiß wie frisch geschrubbt und so malerisch, dass man spontan Lust bekommt, einen Malkurs zu buchen. Doch mit diesem Dorf ist es so wie mit vielen hübschen Dingen: Es hat seine Tücken. Und diese Tücken heißen: Gassen. Und zwar enge Gassen. Offiziell heißt es: „Mit dem Auto nicht hineinfahren.“ Inoffiziell heißt es: „Es gibt Tuk-Tuks und ein Bimmelbähnchen – nutzt bitte die!“ Wir jedoch dachten uns: Tja … wir wussten, es war eng. Überraschung? 😄😉
Wir suchten eine laut Navi eine Straße, die zumindest im weiteren Sinne als „befahrbar“ durchgehen konnte. Und tatsächlich fanden wir eine – gerade so breit, dass
ein Auto hindurchpasst, wenn man manchmal die Spiegel einzieht und gleichzeitig hofft, dass kein Einheimischer entgegenkommt, der die Strecke in- und auswendig kennt. Die Fahrt fühlte sich an wie ein kleiner Mut-Test: Man fährt langsam, man atmet flach, man denkt viel über Wandabstand
nach. Aber am Ende kamen wir durch – ohne Kratzer, dafür mit Adrenalin und einem sehr authentischen Eindruck der Altstadt-Enge. Neugierde
erfüllt!
Weiter in die Berge: El Acebuchal – das Dorf, das die Zeit vergessen hat
Nach dem Frigiliana-Abenteuer setzten wir unsere Reise fort – hoch in die Berge der Sierra de Tejeda, hinein in richtig ursprüngliche Natur. Unser Ziel: El Acebuchal, ein winziger Ort, der sich versteckt in einem Tal befindet und beinahe wie ein Geheimtipp wirkt.
Die Abzweigung von der MA-5105 ist unscheinbar, und was als schmale Asphaltstraße beginnt, verwandelt
sich schon bald in einen engen gelöcherten Schotterweg, der hochführt, dann
wieder hinunter, dann wieder hinauf – ein wenig wie eine Achterbahn ohne Schienen. Offiziell ist die Strecke nichts für normalen Autoverkehr.
Und während wir darüber nachdachten, ob wir vielleicht doch hätten umdrehen sollen, fuhren wir schon längst mitten im Schotterabenteuer.
Im Ort selbst kann man nur die "Hauptstraße" entlangfahren – aber sie endet bald abrupt, und man darf dann wieder in einer "Art Auto-Yoga" 😁 rückwärts umdrehen. Nach dieser Übung beschlossen wir, dass der Rest zu Fuß sicherer und entspannter ist.
Wir stiegen aus, stießen auf eine steile Treppe ohne Geländer – perfekt geeignet, um das Gleichgewicht zu
testen – und liefen dann durch den schmalen Fußgänger- Weg des Ortes. Aber links und rechts weisse, sichtbare und schöne Bauten.
El Acebuchal hat etwas Zeitloses: kleine weiße Häuser, Stille, Vogelgezwitscher, ein paar Katzen, lose Steine auf den Wegen und das Gefühl, dass hier alles fünf Takte langsamer
läuft. Natürlich machten wir viele Fotos. Natürlich wollten wir sie sofort
verschicken. Und natürlich sagte unser Handy: „Kein Netz. Nicht mal ein Balken. Vergiss es.“ So viel also zur
modernen Technik – El Acebuchal lebt offenbar noch im Offline-Modus. Und das macht den Ort irgendwie noch charmanter.
Hungrig? Ja. Essen? Später.
Wir überlegten kurz, im Restaurant des Dorfes etwas zu essen. Es sah wirklich gemütlich aus, und der Duft, der aus der Küche kam, war verführerisch. Aber dann
dachten wir an das Restaurante La Viuda in Mezquitilla (kein Werbeauftrag!), das wir bereits kannten
und das uns so überzeugte, dass wir es jetzt wieder aufsuchen wollten. Also fuhren wir den ganzen Weg zurück – Schotter, Kurven, Berge – bis zur
MA-5105 und anschließend südlich Richtung Küste.
Mezquitilla: Meerblick voll – Plätze leer
In Mezquitilla im Restaurant angekommen, stellten wir fest: Draußen, auf der Terrasse mit Blick über das Mittelmeer
– alles belegt! Kein einziger Platz frei. Aber wir wollten unbedingt dort essen, also nahmen
wir einen Tisch im Inneren des Restaurants. Und ganz ehrlich: Für gutes Essen braucht man keinen Meerblick. Aber schaden würde er natürlich auch nicht. Ich bestellte meine geliebte Seezunge, Dagmar nahm ein gegrilltes
Entrecôte, beide mit einer klassischen Folienkartoffel, die so aussah, als wäre sie ebenfalls stolz auf ihren Auftritt.
Es war – wie erwartet – hervorragend.
Nach gut 2 Stunden und etwa 40 Kilometern …
… endete unser kleiner Tagesausflug: Mit Küstenpanoramen, Engpass-Erlebnissen, einem Bergdorf ohne Internet, einer Portion
Abenteuer und zwei glücklichen Menschen, die gutes Essen einfach zu schätzen wissen. Wir haben wirklich alles genossen.
Ein Tag, kurz aber voll – und perfekt für unser Reisetagebuch. 😅😮






























