Ein Tag zwischen Genuss, Höhenmetern und einem sehr deutlichen Warnsignal
Auch dieser Tag begann genau richtig: mit einem ausgezeichneten Frühstück. Und dann kam etwas, das selbst für Spanien-Neulinge und -Kenner
gleichermaßen besonders ist:
Frühstück mit Hinterkeule
Im Frühstücksraum stand sie. Ganz selbstverständlich.
Eine ganze Jamón-Hinterkeule, eingespannt im Schinkenhalter – daneben das typische, lange Messer.
Als Gäste durfte man sich den Schinken selbst abschneiden.
Natürlich ließen wir uns das nicht entgehen, auch wenn unsere Technik eher an „Mut trifft mangelnde Übung“ erinnerte. Die Scheiben waren unterschiedlich dick, leicht schief – aber unfassbar lecker.
Dabei kam unweigerlich die Frage auf:
Welche Jamón-Arten gibt es eigentlich in Spanien?
Kurz zusammengefasst:
- Jamón Serrano – der Klassiker, luftgetrocknet, mild bis würzig
- Jamón Ibérico – von iberischen Schweinen, intensiver im Geschmack
- Jamón Ibérico de Bellota – die Königsklasse: Schweine mit Eichelmast, nussig, zart, teuer – und genau das, was wir vermutlich gerade viel zu unprofessionell geschnitten hatten
Mit diesem Wissen (und einem zweiten Gang Schinken) starteten wir bestens gelaunt in den Tag.
Ziel: Coll de Rates – 995 Meter über dem Meer
Unser Plan: bekannte Landschaften wiedersehen und neue
Perspektiven entdecken.
Also machten wir uns auf zum Coll de Rates (995 m ü. NN), einem bekannten Pass in der Serra del Carrascar de Parcent, rund 20 Kilometer von der Küste entfernt. Die Anfahrt:
- schmal
- kurvenreich
- landschaftlich ein Traum
Der Haken:
Diese Straße ist ein Magnet für Radprofis.
Und zwar nicht für fünf oder zehn – sondern für Tausende. Radfahrer
überall.
Sie kamen von vorne, von hinten, in Gruppen, einzeln, keuchend, fliegend.
An manchen Stellen wurde es:
eng - unübersichtlich und ehrlich gesagt: für alle ein bisschen gefährlich.
Wir fuhren konzentriert, vorsichtig – und mit
großem Respekt vor der sportlichen Leistung, auch wenn sie uns gelegentlich das Herz kurz in die Hose rutschen ließ.
Oben – und alles zu
Oben angekommen: fantastische Aussicht, frische Bergluft – und ein geschlossenes Lokal.
Das Restaurant „Coll de Rates“ hatte leider zu. Kein Kaffee.
Kein Snack. Kein Trostpflaster.
Also entschieden wir uns spontan, weiter Richtung Tàrbena zu fahren.
Kurven, Kurven – und dann die Tankanzeige
Die Strecke Richtung Tàrbena: wieder wunderschön, wieder kurvig, wieder dieses Gefühl von „Genau dafür sind wir hier“. Wir fuhren. Und fuhren. Und fuhren.
Was wir nicht taten: auf die Tankanzeige schauen. Die meldete sich dann irgendwann sehr deutlich.
Mit Symbolen. Und einer Haltung.
Das Problem:
- Tankstellen an der Küste: ja
- Tankstellen im Landesinneren: fast keine
Die Vorstellung, irgendwo im Nirgendwo mit leerem Tank zu stehen, war wenig verlockend.
Also: Planänderung. - Rückzug statt Abenteuer
Wir suchten die kürzeste Verbindung zur nächsten Tankstelle, was bedeutete:
- nicht dieselbe Strecke zurück
- neue Straßen
- volle Konzentration
Am Ende erreichten wir wieder sicher unser Hotel – erleichtert, ein bisschen schlauer und um eine Erfahrung reicher.
Ein ruhiger Ausklang
Den Rest des Tages nahmen wir bewusst ruhig. Wir verabredeten uns mit unseren Camperfreunden für den nächsten Tag zum gemeinsamen Plausch und Mittagessen – und ließen diesen Tag mit einem Lächeln ausklingen.
Denn auch das gehört zum Reisen: Nicht alles klappt perfekt. Aber fast alles wird eine gute Geschichte.


















































