Tagestour durch die Axarquía – 100 Kilometer, 5 Stunden und sehr viele Kurven
Manchmal braucht es keinen Langstreckenflug, sondern nur einen gut gefüllten Tank, ein bisschen Neugier und die Bereitschaft, sich auf andalusische Straßen einzulassen, die mehr Kurven haben als ein Flamencotanz. Unsere heutige Tagestour führte uns rund 100 Kilometer durch die Axarquía, eine der abwechslungsreichsten Regionen Andalusiens – landschaftlich spektakulär, kulturell spannend und fahrerisch… sagen wir: unterhaltsam.
Start: Torrox Costa – wo Europa sein bestes Klima haben soll
Los ging es in Torrox Costa, dem modernen, küstennahen Bruder des weißen Bergdorfs Torrox Pueblo. Hier trifft Mittelmeer auf subtropisches Klima, Zuckerrohr- und Avocadoplantagen prägen die Umgebung. Geologisch gehört die Region bereits zu den Ausläufern der Betischen Kordillere, was erklärt, warum es hinter der Küste so schnell bergig wird.
Über die Autobahn nach Vélez-Málaga
Die erste Etappe führte uns entspannt über die Autobahn bis Vélez-Málaga, dem historischen Zentrum der Axarquía. Die Stadt war einst ein wichtiger maurischer Verwaltungssitz und zeigt bis heute Spuren dieser Zeit, etwa in der Festung Alcazaba. Landwirtschaftlich ist die Gegend durch fruchtbare Schwemmlandböden geprägt – Oliven, Wein und tropische Früchte wachsen hier nebeneinander.
A-356 bis Trapiche – vom Flachen ins Hügelige
Auf der A-356 Richtung Trapiche merkt man langsam, wie sich die Landschaft verändert. Die Ebene weicht sanften Hügeln, die Straßen werden schmaler, und das Fahren erfordert etwas mehr Aufmerksamkeit – spätestens jetzt sollte der Beifahrer das Fotografieren übernehmen.
Abzweig auf die MA-3113: Benamargosa – Dorf der Rosinen
In Trapiche bogen wir auf die MA-3113 ab, die uns nach Benamargosa führte. Der Ort liegt idyllisch im Tal des gleichnamigen Flusses und ist bekannt für den Anbau von Muskatellertrauben, aus denen die berühmten Axarquía-Rosinen entstehen (UNESCO-Kulturerbe). Geologisch spannend sind hier die weicheren Schiefer- und Kalkgesteine, die das Tal formten.
Weiter nach Cútar – weiß, ruhig und ein bisschen zeitlos
Von Benamargosa ging es weiter nach Cútar, einem der kleineren weißen Dörfer der Region. Hoch über dem Tal gelegen, bietet der Ort herrliche Ausblicke. Historisch stammt Cútar aus der maurischen Zeit, was man an der kompakten Bauweise und den engen Gassen erkennt. Der Blick schweift hier weit über Hügel, Olivenhaine und immer wieder tief eingeschnittene Schluchten.
Blickfang des Tages: Comares – das Adlernest der Axarquía
Besonders beeindruckend war der Blick auf Comares. Der Ort thront spektakulär auf einem schmalen Felsgrat und wird nicht umsonst als „Balkon der Axarquía“ bezeichnet. Geologisch sitzt Comares auf hartem Kalkstein, der der Erosion besser standhielt als das umliegende Material. Kulturhistorisch war der Ort eine maurische Festung – heute ist er ein beliebtes Ziel für Touristen, Fotografen und Menschen, die keine Höhenangst haben.
Kurven, Kurven, Kurven: Von Cútar nach El Borge
Von Cútar aus schlängelten wir uns über schmale, kurvenreiche Straßen weiter nach El Borge. Hier heißt es: Gang runter, Blick hoch. Das Bergpanorama ist großartig, die Landschaft wirkt fast dramatisch. El Borge ist ebenfalls eng mit der Rosinenkultur verbunden und feiert diese Tradition bis heute mit eigenen Festen.
Mittagspause in Trapiche: El Cruce
Spontan entschieden wir uns, die Mittagspause in Trapiche bei El Cruce einzulegen. Eine sehr gute Entscheidung. Das Lokal ist bekannt für seine bodenständige, preiswerte Küche, große Portionen und ehrliche Aromen. Kein ChiChi, dafür satt und zufrieden – genau das Richtige nach vielen Kurven.
Rückfahrt über die MA-4111 – Bergstraße vom Feinsten
Gestärkt ging es zurück Richtung Küste, diesmal über die MA-4111. Diese Strecke ist ein echtes Highlight: ständig wechselnde Landschaften, mal enge Schluchten, mal weite Ausblicke. Über Arenas, Árchez (mit seiner mudéjaren Kirche), vorbei an Cómpeta – bekannt für Wein, Fiestas und internationale Bewohner – und durch Sayalonga, den Geburtsort des Bandoleros El Bizco, fuhren wir schließlich zurück nach Torrox Costa.
Fazit
Diese Tour war eine perfekte Mischung aus Fahrspaß, Kultur, Geologie und Genuss. Die weißen Dörfer liegen mal hoch oben, mal eingebettet in Täler – aber sie sind immer großartige Aussichtspunkte. Eine Tagestour, die zeigt, wie viel Andalusien jenseits der Strände zu bieten hat. Müde, zufrieden und mit vielen neuen Eindrücken ging eine herrliche und unvergessliche Runde durch die Axarquía zu Ende.






























