Man sollte nicht nur auf ein Navi vertrauen!

Karte.

 

 

Zwischen Weinbergen, Schieferhängen und engen Dorfstraßen –
Unser kleiner Andalousien-Abenteuertrip

 

Schon am Morgen wussten wir, dass dieser Tag kein gewöhnlicher Ausflug werden würde. Von Torrox-Costa aus starteten wir wie so oft über die A-7 in Richtung Vélez-Málaga, begleitet vom vertrauten Gefühl, wieder in die Berge aufzubrechen. Die Luft war klar, und im Osten lagen die schneebedeckten Gipfel wie ein versprechen der Sierra Nevada — fern und doch deutlich sichtbar. Andalusien kann eben auch Winter, nur eben in einer ganz eigenen, sonnendurchfluteten Variante.

 

Hinter Vélez-Málaga bogen wir auf die MA-3112 ab, eine jener Bergstraßen, die sich wie ein Band an die Hänge schmiegen und einen Kurventakt vorgeben, dem man sich einfach hingibt. Die Landschaft veränderte sich nach und nach: statt endloser Olivenhaine tauchten hier Weinreben, kleine Obstplantagen und verstreute Zitrusfelder auf. Die Hänge sind in Terrassen angelegt, gestützt von Trockenmauern, die schon seit Jahrhunderten an Ort und Stelle liegen. Die Böden bestehen hier häufig aus Schiefer und verwittertem Mergel — steinig, gut entwässernd und warm. Für Reben ist das ein Geschenk, und so versteht man, warum in dieser Gegend Rosinen- und Süßweintradition bis heute lebendig sind.

Während wir uns höher arbeiteten, tauchte am Horizont Comares auf, ein Ort, der wie eine Felskrone auf seinem Berg thront. Er wirkt, als wäre er nicht gebaut, sondern aus dem Fels gewachsen. Solche Bergdörfer erzählen leise von ihrer Vergangenheit: von maurischen Siedlungen, von strategischen Lagen, von Menschen, die ihre Häuser dicht an dicht an die steilen Hänge setzten — nicht für Autos, sondern für Füße und Maultiere.

Bis hierher lief alles rund. Doch dann beschloss unser Navi, sich kreativ zu entfalten. Es schlug uns unerwartet eine neue Route vor, und in einem Anflug von Vertrauen folgten wir ihr. Statt weiter bergauf führte uns die Strecke plötzlich wieder in Richtung Küste — und ehe wir uns versahen, erreichten wir Benagalbón. Hübsch, ja, aber nicht ganz das, was wir uns unter „Bergtour“ vorgestellt hatten. Also nahmen wir die Herausforderung an und wechselten wieder nach Norden, diesmal über die MA-3201 — und sofort fühlte es sich wieder nach Andalusien-Bergwelt an.

Kurz darauf erreichten wir Benaque, ein langgestrecktes Dorf, das sich wie ein weißes Band den Hang entlangzieht. Die Straßen hier sind so schmal, dass man fast den Atem anhält, wenn man hindurchfährt. Man merkt sofort: dieser Ort entstand lange vor dem Automobil. Weiß getünchte Häuser, niedrige Türen, Blumentöpfe an den Wänden — und Straßen, die eher Gassen sind. Doch gerade diese Enge verleiht solchen Dörfern ihren besonderen Charakter. Sie sind nicht für Durchfahrt gebaut, sondern für Leben in Nähe und Schattigkeit, für Sommerhitze und Windschutz.

Unser Navi wollte uns weiter nach Iznate leiten, und anfangs schien alles in Ordnung. Doch die Straße verlor allmählich ihren Asphalt, wurde schmaler, dann schotterig und schließlich bröckelig. Es fühlte sich an, als würde sie Stück für Stück in die Landschaft zurückgegeben. Schließlich verwandelte sich der Weg vor uns in einen schmalen Pfad — der eindeutig eher Wanderern als Autos vorbehalten war. Spätestens hier endete unser Vertrauen in die digitale Streckenführung. Wir entschieden, dass Abenteuer gut ist — aber nicht jedes Abenteuer muss mit einem Abschleppwagen enden. Also kehrten wir an Ort und Stelle um.

Der Rückweg führte uns noch einmal durch die engen Gassen von Benaque, diesmal mit etwas mehr Routine und einem stillen Respekt vor den Menschen, die hier leben — und offenbar täglich mit diesen Kurven und Radien umgehen. Solche Orte zeigen sehr anschaulich, wie eng Topografie und Siedlungskultur miteinander verbunden sind: gebaut wird dort, wo der Hang es erlaubt — und die Landschaft bestimmt die Form des Lebens.

Schließlich kehrten wir zurück nach Benagalbón, nahmen wieder die A-7 und wechselten später auf die Küstenstraße bei Torre del Mar. Das Meer lag ruhig vor uns, und die Sonne begleitete uns zurück nach Torrox-Costa. Was als Bergtour geplant war, hatte sich zwischendurch in eine Mischung aus Erkundung, Improvisation und vorsichtiger Kurskorrektur verwandelt.

Und doch — oder vielleicht gerade deshalb — fühlte es sich typisch andalusisch an: Landschaften, die man lesen lernt, Dörfer, die sich an die Berge schmiegen, Straßen, die manchmal mehr Charakter haben als ein Verkehrsbuch erlauben würde — und ein Navi, das gelegentlich vergisst, dass Autos keine Ziegen sind.

Ein Tag voller Kurven, kleiner Überraschungen und geologischer Geschichten, die man unterwegs Schritt für Schritt — oder eben Radumdrehung für Radumdrehung — entdeckt.