Ein Tag, der uns im Gedächtnis erhalten bleibt: Bergwelt mit Blick auf die Sierra Nevada

❄️🌄 Schnee, Serpentinen und Sierra Nevada

Eine winterliche Geo-Tagestour von der Küste ins Hochgebirge Andalusiens

 

Das war heute ein ganz besonderer Tag. Einer von denen, bei denen man abends auf dem Sofa sitzt und sich fragt, ob man das alles wirklich erlebt hat – oder ob Andalusien einfach beschlossen hat, heute noch eine Schippe draufzulegen. Unser Ziel war klar: Wir wollten so nah wie möglich an die schneebedeckten Berge der Sierra Nevada heran. Dass wir am Ende Unmengen von Schnee sehen würden, mit Eiszapfen, Schafen, Wildschwein und einem unfreiwilligen Umweg, stand allerdings noch nicht auf dem Tagesplan.  (KARTE)

„Geo-Tagesbericht aus Andalusien“,
diesmal mit viel Schnee, Serpentinen, Geologie und kleinen Abenteuern 😊

 

Schon früh war klar: Diese Tour würde kein Spaziergang. Über 230 Kilometer, Höhenlagen von über 1300 Metern und am Ende fast sieben Stunden unterwegs – das ist selbst für andalusische Verhältnisse ambitioniert. Aber genau das lieben wir ja: lange Tage, viele Kurven und Landschaften, die sich ständig verändern.

Los ging es wie so oft über die A7 – jene Autobahn, die sich mit ihren unzähligen Tunneln und Brücken an die Steilküste schmiegt und dabei ganz nebenbei zeigt, wie viel Ingenieurskunst nötig ist, um durch junge, tektonisch aktive Gebirge zu kommen. Hier treffen harte Gesteine auf weiche Sedimente, und die Straße windet sich durch eine Landschaft, die geologisch noch lange nicht „fertig“ ist.

Und dann passierte es: Inmitten dieser Tunnel-und-Brücken-Orgie verpassten wir unsere geplante Ausfahrt. Statt Castillo de Baños de Arriba hieß es plötzlich: La Rábita. Kurz geflucht, dann gelächelt – denn dieser Umweg entpuppte sich als echter Glücksgriff. Vielleicht war es Vorsehung. Vielleicht auch nur das Navi mit Humor.

Über die A345, vorbei an Albuñol, wechselten wir später auf die A4131 und begannen den ernsthaften Aufstieg. Die Straße wurde schmaler, steiler, kurviger – genau unser Ding. Serpentinen schraubten sich durch das südliche Vorland der Sierra Nevada, ein Gebirge, das aus der Kollision der afrikanischen und europäischen Platte entstanden ist und bis heute eines der höchsten und jüngsten Hochgebirge Europas darstellt.

Je höher wir kamen, desto winterlicher wurde die Landschaft. Bei Sorvilán und später Richtung Haza del Lino, auf rund 1320 Metern Höhe, lag Schnee nicht nur dekorativ am Straßenrand – er war präsent. Die Vegetation wechselte sichtbar: Mediterrane Macchia wich Kiefern, Eichen und offenen Hochflächen. Hier oben ist Andalusien plötzlich nicht mehr nur Sonne und Meer, sondern ernstzunehmendes Gebirge.

Ein Wechsel auf die A5204 brachte uns erneut fantastische Ausblicke. Von etwa 1000 Metern Höhe öffnete sich der Blick auf die schneebedeckte Sierra Nevada – weit, mächtig und beeindruckend. Die weißen Gipfel leuchteten in der Sonne, während wir uns durch Gesteine bewegten, die einst Meeresboden waren und heute Teil eines Hochgebirges sind. Andalusien kann eben beides: Strand und Hochalpin – manchmal am selben Tag.

Als das Schild „Torvizcón“ auftauchte, entschieden wir uns bewusst gegen weitere Höhenmeter. In Torvizcón selbst: ein ruhiges, freundliches Dorf – und ein einzelner Verkaufswagen mit gegrillten Hähnchen. Die rochen fantastisch. Aber ohne Besteck, ohne Tisch und mit dicken Jacken? Lieber nicht. Also weiter.

Auf der A348 Richtung Los Tablones blieben uns die grandiosen Blicke erhalten. Immer wieder hielten wir an, weil Fotos einfach sein mussten. Die Landschaft zeigte sich winterlich und zugleich landwirtschaftlich geprägt: Weinreben standen in schneebedeckten Feldern, Mandelbäume warteten noch auf ihre Blüte, und ganze Straßenzüge waren von Korkeichen gesäumt – ein typisches Bild für diese Übergangszone zwischen Mittelmeerklima und Gebirge.

Dann das nächste Highlight: Eiszapfen. Lange, echte, überzeugende Eiszapfen hingen an Felsrändern. Also natürlich: anhalten, staunen, fotografieren. Als wäre das nicht genug, kreuzte wenig später ein Wildschwein unseren Weg. Es entschied sich glücklicherweise für die Flucht – oder wir für den Stillstand. Wie auch immer: Blech blieb ganz, Puls ging kurz hoch.

Kurz darauf stand plötzlich alles. Eine komplette Schafherde hatte beschlossen, dass jetzt Straßenzeit sei. Kein Durchkommen. Die Hütehunde übernahmen professionell die Regie, ordneten Chaos in Bewegung – und wir durften weiterfahren. Andalusien live, ungefiltert.

Ab Haza del Lino begann dann für uns die eigentliche Traumstrecke. Die Straße schien kein Ende zu nehmen: endlose, enge Serpentinen, die sich langsam, aber stetig talwärts schraubten. Kaum Verkehr, viel Landschaft, viel Zeit zum Genießen. Genau deshalb lieben wir diese abgelegenen Routen – sie zeigen Andalusien jenseits der Postkarten.

Polopos erreichten wir schließlich entspannt. Ein hübsches kleines Dorf, ein kurzer Gedanke an Kaffee – doch die Kneipe hatte geschlossen. Also weiter über die A6204. Dieses Mal fast durchgehend mit Blick auf das Mittelmeer, tief unter uns, ruhig und blau. Ein starker Kontrast zum winterlichen Hochland nur Stunden zuvor.

In Castillo de Baños de Arriba trafen wir wieder auf die A7. Die letzten rund 70 Kilometer zurück nach Torrox-Costa fuhren wir mit einem einzigen klaren Ziel vor Augen: Schnitzel bei Javier. Und ja – das hatten wir uns verdient.

Ein Tag voller Schnee, Kurven, Geologie, Überraschungen und Glücksmomente ging zu Ende. Einer, der sicher lange im Gedächtnis bleibt.