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Wieder unterwegs – Wolken, Felsen und die Kunst, nicht zu verhungern
200 Kilometer fast an einem Stück
Frühstück als Expeditionstreibstoff
Ein kurzer Gedanke am frühen Morgen genügte – und schon war klar: Heute wird wieder gefahren. Ab in die Bergwelt Andalusiens! Aber wie immer gilt bei uns das eherne Gesetz jeder großen Expedition: Erst die Basis schaffen. Also zum deutschen Metzger um die Ecke, Brötchen und Leberkäse einpacken, Kaffee kochen – fertig ist das „andalusisch-bayerische Höhenfrühstück“. Gut gestärkt lassen sich selbst spanische Serpentinen diplomatisch verhandeln.
Von der Küste ins Gebirge
Von Torrox Costa ging es wie gewohnt über die A7 Richtung Vélez-Málaga. Diese Strecke ist für uns längst Routine, fast schon ein Reflex. Geografisch fahren wir hier durch eine spannende Übergangszone: Links das Mittelmeer, rechts die ersten Ausläufer der Betischen Kordillere, jenes mächtigen Gebirgssystems, das ganz Südspanien formt. Hinter Vélez-Málaga beginnt die Landschaft langsam aufzusteigen, die Böden werden steiniger, die Olivenhaine dichter – und die Kurven zahlreicher.
Südlich des Stausees wechselten wir auf die A-356 Richtung Norden, fast bis Colmenar, dann weiter über die A-7204 und später auf die A-4152. Hier lebt man von der Landwirtschaft, vor allem vom
Olivenanbau. Kalkhaltige Böden und winterliche Niederschläge schaffen ideale Bedingungen für Millionen knorriger Bäume. Heute aber stahl das Wetter den Oliven die Show: Sonne und tiefhängende
Wolken spielten Theater um die Felsgipfel. Die Berge wirkten wie Kulissen eines andalusischen Dramas – nur ohne Eintrittskarte.
Ein kurzer Blick in die Erdgeschichte
Geologisch bewegen wir uns hier auf sehr altem Boden. Mesozoische Kalk- und Dolomitgesteine erzählen von einer Zeit, als anstelle der Berge ein flaches Meer rauschte. Später wurden diese
Sedimente aufgefaltet, angehoben und zerbrochen. Was blieb, sind steile Felswände, schroffe Gipfel – und Straßen, die sich wie betrunkene Schlangen durchs Gelände winden. Genau unser
Geschmack.
Alfarnate – schön, aber gefährlich für Autos
Kurvenreich erreichten wir Alfarnate, eines der höchstgelegenen Dörfer der Provinz Málaga auf rund 900 Metern. Der Ort liegt wie in einer Schüssel, umgeben von Bergen. Maurische Gassen, weiß getünchte Häuser, ein Hauch von Mittelalter. Theoretisch ein Traum – praktisch für Autofahrer eher ein Nerventest. Unsere frühere Erfahrung, nur mithilfe eines ortskundigen Taxifahrers wieder herauszufinden, sitzt noch tief. Also bewunderten wir Alfarnate diesmal aus sicherer Distanz.
Direkt an der Straße liegt die legendäre Venta de Alfarnate, halb Restaurant, halb Motorrad- und Heimatmuseum. Ein Wallfahrtsort für Biker – was die heutige chromblitzende
Versammlung eindrucksvoll bestätigte. Wir blieben standhaft: Das Leberkäsefrühstück verteidigte tapfer seine Vormachtstellung.
Felsen wie vom Himmel gefallen
Die Landschaft öffnete sich, Oliven- und Mandelplantagen wechselten sich ab, dazwischen immer wieder Steineichen. Besonders auffällig waren riesige Felsblöcke am Straßenrand, als hätte ein Riese
Murmeln verloren. In Wahrheit sind es Verwitterungsreste: Kalk- und Dolomitgestein, das durch Wasser, Temperaturwechsel und Frost gesprengt wurde. Die Schwerkraft erledigte den Rest – Andalusien
arbeitet langsam, aber gründlich.
Fuente de los 100 Caños – Wasser aus dem Untergrund
Unser nächstes Ziel war die Fuente de los 100 Caños bei Villanueva del Trabuco. Ein geologisches Kleinod: Das Wasser stammt aus einem karstifizierten Kalkmassiv, versickert im
Gebirge, sammelt sich in unterirdischen Hohlräumen und tritt hier in unzähligen Strahlen wieder aus. Ein natürlicher Springbrunnen – allerdings mit Parkplatzproblemen spanischer Prägung. Also
kurzer Stopp, staunen, weiterfahren, weil vor uns Tausende Besucher waren, die uns an einer heutigen Bsichgtigung hinderten.
Tor zu den Montes de Málaga
Über die A-92M ging es Richtung Süden. Colmenar, das „Tor“ zu den Montes de Málaga, liegt strategisch auf einem Hochplateau. Früher kreuzten sich hier Handelswege zwischen Küste und Hinterland, heute dominieren Oliven, Getreide und Ziegen – und eine wohltuende Gelassenheit.
Die A-7000 führte uns schließlich in den Naturpark. Geologisch ein Kontrastprogramm: Statt harter Kalke nun Schiefer, Sandsteine und Konglomerate – weichere Gesteine, stärker von Erosion gezeichnet. Im 19. Jahrhundert war das Gebiet fast kahlgeschlagen, Überschwemmungen waren die Folge. Erst große Aufforstungen brachten die heutigen Kiefernwälder zurück. Ein stiller, oft unterschätzter Naturraum.
Dolmen – aber nicht heute
Auf der MA-166 überlegten wir kurz, einen Abstecher zu den Dolmen am Cerro zu machen. Megalithgräber aus der Jungsteinzeit – eigentlich genau unser Thema. Aber wir kannten bereits die grandiosen Anlagen von Antequera. Also vertagt auf später. Man muss ja Gründe haben, wiederzukommen.
Heimkehr mit Hungerdrama
Irgendwann spuckte uns die Landschaft wieder auf die A7 aus. Noch 50 Kilometer bis Torrox Costa, die Sonne schon im Sinkflug, der Kopf voll mit Bildern. Gegen 16 Uhr waren wir zurück. Ein letzter, sehr menschlicher Gedanke: Schnitzel bei Javier! Und natürlich – geschlossen.
Aber wir haben es ja gelernt:
In Andalusien verhungert man nicht.
Schon gar nicht nach einem Tag voller Wolken, Felsen und 200 Kilometern Lebensgefühl.


















































