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🌊 Mit der Nase am Mittelmeer – Küstentour von Torrox bis La Rábita
Die andalusische Küste ist ja so etwas wie ein großes Buffet: Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll – auf das türkisfarbene Mittelmeer, die weißen Dörfer an den Hängen oder die Felswände, die aussehen, als hätte ein Riese sie gestern erst zusammengeknetet. Also beschlossen wir: Heute gibt’s Meer satt! Eine gemütliche Fahrt auf der N-340, immer schön „mit der Nase am Wasser“, von Torrox Costa bis nach La Rábita.
Zur Einstimmung ein paar Fakten, die selbst den nüchternsten Geografielehrer schwärmen lassen: Andalusien besitzt rund 830 Kilometer Küste, davon allein etwa 300 Kilometer Costa del Sol. Und im Gegensatz zum Atlantik macht das Mittelmeer hier kaum Theater – Ebbe und Flut sind eher höfliche Verbeugungen als dramatische Bühnenauftritte. Dafür gibt’s Strände, Buchten und Gebirge direkt im Hinterland – ein echtes Drei-Gänge-Menü für Augen und Seele.
🚗 90 Kilometer, 6 Stunden – Andalusische Zeitrechnung
Wir starteten gegen zehn Uhr, geschniegelt mit Brötchen und Leberkäse im Bauch – deutsche Bodenhaftung trifft spanische Lebenslust. Der Plan klang simpel: 90 Kilometer Küstenstraße, ein paar
Aussichtspunkte, irgendwo ein Mittagessen – fertig.
Die Realität: über sechs Stunden unterwegs, inklusive Rückfahrt über die A7. Andalusien hat eben seine eigene Zeitrechnung. Hier zählt nicht der Kilometer, sondern der Moment, in
dem man wieder mal „Ohhh!“ sagt.
🏖 Nerja – Balkon Europas, aber ohne Pause
Erster Fixpunkt: Nerja. Der Ort mit der berühmten Tropfsteinhöhle und dem „Balcón de Europa“, von dem aus man glaubt, direkt bis Afrika schauen zu können – zumindest wenn das
Mittelmeer heute gut gelaunt ist.
Auch das Aquädukt Águila grüßte uns mit seinen 37 Bögen wie ein römischer Dinosaurier aus Ziegeln. Wir winkten zurück – und fuhren weiter. Nerja kennen wir inzwischen so gut,
dass wir fast schon per Handschlag begrüßt werden müssten.
🌿 Cerro Gordo – Wo Fels, Meer und Ziege ein Trio bilden
Dann kam unser persönlicher Höhepunkt: der Abzweig zum Naturpark Acantilados de Maro–Cerro Gordo. Schotterstraße, Pinienalleen, Aussichtspunkte – und plötzlich fühlt man sich wie Statist in einem Naturfilm. Tief unten das Meer, oben die Sierra Almijara, dazwischen wir – und einige äußerst entspannte Iberische Steinböcke, die offenbar ebenfalls Sonntagsausflug hatten.
Geologisch betrachtet fahren wir hier auf uralten Kalk- und Dolomitfelsen, die einst Meeresboden waren. Heute bilden sie schroffe Klippen, in denen das Wasser Höhlen und Grotten ausgewaschen hat.
Unter Wasser geht das Schauspiel weiter: Seegraswiesen, Fische, manchmal sogar Delfine – ein Unterwasser-El Torcal, nur nass. Am Torre de la Caleta, einem jener Wachtürme
aus dem 16. Jahrhundert, stellten wir uns kurz vor, wie hier einst vor Piraten gewarnt wurde. Heute warnen höchstens Radfahrer vor uns – und wir vor ihnen.
⚓ La Herradura – 25 Galeeren unter uns
Nächster Halt: La Herradura. Ein hübscher Ort, dessen Meeresboden ein echtes Geschichtsbuch ist. Dort unten liegen die Überreste von 25 Galeeren der Spanischen
Armada, 1562 in einem Sturm gesunken. Wir starrten ehrfürchtig aufs Wasser – sahen natürlich: nichts. Aber die Fantasie taucht ja kostenlos.
🏰 Almuñécar – Burg, Verwirrung und Fast-Abschleppen
Weiter nach Almuñécar, 19 Kilometer Küste, 26 Strände – mathematisch also fast jeden Kilometer ein neuer Sandabschnitt. Wir w ollten u.a. zur Burg Castillo de San
Miguel. Das Navi wollte das auch. Allerdings über eine Straße, die offenbar nur für Einheimische, Katzen und sehr schmale Gedanken gedacht war. Plötzlich standen wir oben am Burgtor
– mit dem Auto. Ob lachen oder weinen? Wir entschieden uns für: flüchten. Statt Kultur gab’s dann – Schicksal! – McDonald’s. Nach drei Monaten Tapas offenbar eine göttliche
Prüfung. Es hat richtig gut getan! Erst später erfuhren wir von der Fischmarkthalle. Aber Parkplätze in Andalusien sind ja ohnehin eher Legenden als reale Orte.
📸 Calahonda, Castell de Ferro – Fotofieber am Straßenrand
Die N-340 zeigte sich danach von ihrer schönsten Seite:
Kurven, Felsen, Meer, wieder Kurven. Zwischen Salobreña, Calahonda und Castell de Ferro hielten wir gefühlt alle fünf Minuten an. Das Ergebnis: mehr Fotos als Oliven in Jaén.
Späteres Löschen wird ein archäologisches Großprojekt.
Geologisch spannend ist hier der ständige Wechsel:
Mal ragen metamorphe Schiefer aus der Sierra Nevada bis ans Meer, mal liegen junge Schwemmlandebenen dazwischen, in denen Avocados und Chirimoyas wachsen (auch Zimtapfel, Zuckerapfel, Süßsack, Rahmapfel, Annona oder Anone genannt, ist eine tropische Frucht). Andalusien ist eben nicht nur schön – es ist ein aufgeschlagenes
Lehrbuch.
🐟 Melicena & La Rábita – Wendepunkt mit Meerblick
Irgendwann merkten wir: Die Zeit fährt schneller als wir. Also suchten wir bei Melicena und schließlich La Rábita die Auffahrt zur A7. Natürlich mit letzten
Fotostopps – man weiß ja nie, ob das Mittelmeer morgen noch da ist.
🚀 Rückflug auf Asphalt
Die Rückfahrt über die A7 fühlte sich an wie ein Zeitsprung:
Tunnel, Brücken, 70 Kilometer in gut einer Stunde. Um 15.30 Uhr waren wir wieder in Torrox Costa – müde, aber randvoll mit Eindrücken.
🧭 Fazit des Tages
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90 km Küste
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6 Stunden andalusische Gelassenheit
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unzählige Kurven
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ein Fast-Abschleppen
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ein McDonald’s als kultureller Ausrutscher
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und Geologie vom Feinsten zwischen Meer und Gebirge
Andalusien hat uns wieder einmal gezeigt: Der Weg ist hier nicht das Ziel – der Weg ist das Abenteuer.
Und wir? Wir kommen wieder. Immer wieder.








































