Bei Sonne, Wind und Schnee Begegnung mit einem Mammut

Link zur Google-Karte

Wenn das Wetter Pläne macht – und wir trotzdem losfahren

Rund um die Sierras de Tejeda, Almijara y Alhama

Eigentlich war das Wetter heute wieder so eine Sache. Sturm, Wolken, irgendwo Regen, weiter oben vielleicht Schnee. Andalusien im Winter ist wettertechnisch ein bisschen wie ein Überraschungsei – man weiß nie genau, was drin ist. Aber weil die nächsten Tage noch ungemütlicher werden sollten und unser Rückflug nach Deutschland bereits bedrohlich näher rückte, fiel die Entscheidung schnell: Heute fahren wir.

Unser Ziel war kein einzelner Ort, sondern gleich ein ganzes Gebirge: der Naturpark Sierras de Tejeda, Almijara y Alhama. Wie immer suchten wir nach möglichst unbekannten, kurvenreichen Straßen, am liebsten dort, wo das Navi nervös wird und Google Maps nur noch vage Andeutungen macht.

230 Kilometer später – wir können das halt

Start war gegen 10:30 Uhr, Rückkehr um 17:15 Uhr.
Ergebnis: 230 Kilometer, also deutlich mehr als geplant. Aber das kennt man ja von uns. Wir nennen das nicht „Verfahren“, sondern erweiterte Streckenanalyse. Und Überraschungen? Natürlich. Die ließen nicht lange auf sich warten.

Technik, wir müssen reden – SD-Karten und andere Dramen

Keine 15 Kilometer unterwegs, irgendwo bei Nerja, kam der erste Klassiker:
Die Lumix streikte. Erstes Foto? Fehlanzeige. SD-Karte nicht vorhanden. Unmöglich. Dachten wir.
Ersatzkarten haben wir natürlich immer dabei – nur fand sich zunächst eine, die mehr antik als neu wirkte. Formatieren, tief durchatmen, hoffen. Es funktionierte… halb. Die Kamera tat so, als wäre sie motiviert, arbeitete aber im Zeitlupentempo und mit gelegentlichen Aussetzern. Spoiler: Das sollte noch Folgen haben.

Vom Mittelmeer in den Felsdom – Cañón del Río Guadalfeo

Wir fuhren über die A7, die uns inzwischen persönlich kennt, wechselten bei Salobreña auf die N-323a und später auf die GR-3204.
Und dann kam sie: die Fahrt durch den Cañón del Río Guadalfeo. Links und rechts ragten steile Felswände auf, wie aufgeschichtete Geschichtsbücher aus Stein. Geologisch bewegen wir uns hier in der Betischen Kordillere, einem stark gefalteten Gebirgssystem aus Kalken, Dolomiten, Schiefern und Metamorphiten, das durch tektonische Kräfte regelrecht zusammengepresst wurde. Der Fluss hat sich über Jahrtausende seinen Weg gesucht – und gefunden. Eine Landschaft, die gleichzeitig monumental und ein bisschen einschüchternd wirkt.

Kurven, Wolken, Schneespitzen – willkommen auf 800 Metern

Wir blieben auf der GR-3204 bis Pinos del Valle, konstant auf etwa 800 m Höhe.
Die Straße: ein Traum. Die Aussicht: weit. Die Sonne: offenbar im Urlaub.

Schneebedeckte Gipfel blitzten immer wieder durch Wolkenfetzen – irgendwo da oben lagen die höheren Zonen der Sierra Nevada. Die Wolken spielten Theater, die Berge blieben stoisch. 

Orangen, Oliven und Eichen – Andalusien in Schichten

Zwischen Restábal und Saleres wechselte die Landschaft ihr Gesicht:

  • zuerst Orangenplantagen (leuchtend, fast unverschämt orange),

  • dann endlose Olivenhaine,

  • später, vor Zafarraya, ganze Flächen voller Steineichen.

Das ist kein Zufall, sondern Geografie pur:
Je nach Höhe, Boden und Feuchtigkeit ändern sich Nutzung und Vegetation. Die Eichen wachsen hier auf karstigen Hochflächen, wo der Boden dünn, steinig und kalkreich ist – perfekt für robuste Gehölze, weniger für intensive Landwirtschaft. 

Albuñuelas – Déjà-vu in engen Gassen

Dann die Versuchung: „Ach komm, wir fahren mal nach Albuñuelas.“
Schöne Idee. Bis wir mitten im Ort feststeckten. Enge Gassen, keine Wendemöglichkeit, Erinnerungen an frühere Fluchtmanöver.
Kurz gesagt: Rückwärts wieder raus, Würde bewahren, weiterfahren.

Solche Dörfer sind eben nicht für Autos gebaut, sondern für Menschen, Maultiere und Zeit.

Padul und das Mammut – Eiszeit in Andalusien

Über die A44 näherten wir uns unserem „gelesenen Ziel“: Padul. Und dann sahen wir es: das Mammut.

Padul ist nicht einfach nur ein Dorf, sondern ein paläontologischer Hotspot. In der nahegelegenen Lagune von Padul fand man Überreste von:

  • Mammuts

  • Säbelzahntigern

  • Wollnashörnern

Also Eiszeit pur – mitten in Andalusien.Die Lagune ist ein ehemaliges Feuchtgebiet, in dem sich Sedimente über zehntausende Jahre ablagerten. Ein perfektes Archiv der Vergangenheit. Restaurant „Mammut“? Leider geschlossen. Plan B: Tankstelle. Sandwich. Eiszeit trifft Moderne.

Unbekannte Straße, große Weite – Richtung Alhama de Granada

Weiter ging es über die GR-3302 Richtung Alhama de Granada – vorbei an riesigen Olivenlandschaften, ruhig, weit, fast meditativ.
Arenas del Rey passierten wir eher beiläufig – was sich später als tragisch herausstellen sollte.

Geologisch spannend: Wir bewegten uns hier entlang einer Übergangszone zwischen Sedimentbecken und kalkigen Hochflächen, immer wieder durchzogen von Störungen und kleinen Tälern.

Karst, Eichen und Zeitersparnis – Zafarraya

Statt der bekannten A-402 wählten wir eine schmale, namenlose Abkürzung.
Belohnt wurden wir mit karstartigen Flächen, übersät mit Eichen – bizarre Formen, Dolinen, wellige Hochflächen. Karst eben: Wasser verschwindet, Landschaft bleibt rätselhaft. In Zafarraya tauchten wir wieder auf – wie geplant.

Abwärts, immer abwärts – zurück zur Küste

Von Zafarraya ging es wieder hinunter ins Tal, Kurve an Kurve, über:

  • A-402

  • A-356

  • Vélez-Málaga

  • A7 zurück nach Torrox Costa

Unser Auto kennt diese Strecke inzwischen besser als wir.

Das böse Erwachen – Fotos weg

Abends dann der Schock: Ab Arenas del Rey existierten keine Fotos mehr.
Die Kamera hatte zwar geklickt, gezählt, optimistisch geblinkt – aber nichts gespeichert.

Fazit: Ein perfekter Grund, diese Strecke erneut zu fahren. Vielleicht bei der nächsten Überwinterung 2026/27

Letzte Tour – vorerst

Diese Fahrt war unsere letzte große Andalusien-Tour vor der Rückkehr ins winterliche Deutschland.
Wunderschön, abwechslungsreich, manchmal chaotisch – also genau richtig. Wir kommen wieder. Ganz sicher. 😊



  Mammuts in Andalusien – Willkommen in der „Villa del Mamut“

Dass Andalusien nicht nur Flamenco, Olivenbäume und Serpentinen kann, sondern auch Mammuts, ist eine dieser Geschichten, die man erst glaubt, wenn man mitten drinsteht. Und genau das ist in Padul, südlich von Granada, der Fall.

🌍 Warum ausgerechnet Padul?

Die Laguna de Padul ist ein geologischer Glücksfall. Sie liegt in einer tektonischen Senke am Nordrand der Sierra Nevada und fungierte über Hunderttausende Jahre als natürliche Sedimentfalle. Alles, was hier lebte, starb – oder stecken blieb – wurde fein säuberlich konserviert. Eine Art prähistorisches Archiv, nur ohne Staubwischen.

Hier fanden Forscher Überreste von:

  • 🦣 Steppen- und Wollmammuts (Mammuthus)

  • 🦏 Wollnashörnern

  • 🐅 Säbelzahnkatzen

  • 🦌 riesigen Hirschen

  • und vielen weiteren eiszeitlichen Zeitgenossen

Kurz gesagt: Padul war während der letzten Eiszeiten ein Tier-Hotspot – allerdings mit deutlich weniger Parkplätzen.

❄️ Eiszeit in Andalusien – wie bitte?

Ja. Während der letzten Kaltzeiten (vor etwa 100.000 bis 10.000 Jahren) war Andalusien:

  • kühler

  • feuchter

  • geprägt von Sümpfen, Seen und Graslandschaften

Die Sierra Nevada war damals dauerhaft vergletschert, und die Lagune von Padul bot:

  • Wasser

  • Nahrung

  • Schutz

Perfekt für Mammuts – weniger perfekt, wenn man als Mammut im Morast stecken blieb. Genau das erklärt die zahlreichen Funde: Tiere versanken im weichen Untergrund, wurden von Sedimenten bedeckt und blieben bis heute erhalten. Nicht glamourös, aber wissenschaftlich Gold wert.

🚶‍♂️ Ruta del Mamut – Mammuts ohne Muskelkater

Heute kann man diese eiszeitliche Bühne ganz entspannt erkunden – ohne Wollfell, ohne Stoßzähne, ohne Gefahr, sich festzufahren.

Die Ruta del Mamut ist:

  • ein leichter Rundweg

  • komplett über Holzstege geführt

  • barrierefrei (auch mit Rollstuhl oder Kinderwagen)

  • perfekt für neugierige Geister jeden Alters

Man spaziert durch:

  • Tamarisken

  • Weiden

  • Schilf- und Röhrichtzonen

Und mit etwas Glück sieht man:

  • Reiher

  • Enten

  • Greifvögel
    (keine Mammuts mehr – die haben sich endgültig verabschiedet)

🗿 Orientierung mit Urzeit-GPS

Besonders charmant: Der Weg beginnt mitten im Ort Padul, bei den Jardines de la Estación nahe dem Rathaus. Von dort führen Monolithen mit prähistorischen Tierzeichnungen aus dem Dorf hinaus in die Natur.

Eine Art steinernes Navi:

„Geradeaus zum Mammut. Links zum Wollnashorn. Wenn du den Säbelzahntiger siehst, bist du zu weit gegangen.“

🏛️ Aula de la Naturaleza El Aguadero – die Denkpause

Alle drei prähistorischen Routen (Mammut, Wollnashorn, Säbelzahntiger) treffen sich an einem sinnvollen Zwischenstopp:
Aula de la Naturaleza El Aguadero

Hier bekommt man:

  • Infos zu Fossilienfunden

  • zur heutigen Flora & Fauna

  • zur Entstehung der Lagune

  • zur Klimageschichte Andalusiens

Sehr empfehlenswert, um das Gesehene einzuordnen – und um festzustellen, dass Andalusien früher arktischer war als so manche Wintertour heute.

🔭 Mirador del Mamut – Blick über ein eiszeitliches Archiv

Der Mirador del Mamut bietet einen weiten Blick über:

  • das Röhricht der Lagune

  • die flache Beckenlandschaft

  • den Übergang zur Sierra Nevada

Ein perfekter Ort, um sich vorzustellen, wie hier einst Mammutherden durch sumpfige Ebenen zogen – und um dankbar zu sein, heute nur Kamera und nicht Speer dabei zu haben.

🧠 Kurz gesagt :

 

  • Padul = eines der wichtigsten Eiszeit-Fundgebiete Südspaniens

  • Mammutfunde belegen dramatische Klimawechsel

  • Geologie + Biologie + Landschaft = perfekt verknüpft

  • Heute: sanfter Naturtourismus statt eiszeitlicher Überlebenskampf


 

🧊🧭 Serienbox: Geo-Eiszeiten Andalusien

🧭 Wo sind wir zeitlich?

Pleistozän – die Eiszeiten Andalusiens -ca. 2,6 Mio. bis 11.700 Jahre vor heute

Andalusien lag nicht unter einem Eispanzer wie Skandinavien –
aber es war kühler, feuchter und wilder, mit Gletschern, Seen und Großwild. 

❄️ Klima damals – kurz & verständlich

  • Ø 5–10 °C kühler als heute /deutlich mehr Niederschläge/Schnee in den Gebirgen ganzjährig in Hochlagen/
    lange Feuchtphasen statt Sommerdürre

👉 Ergebnis: Seen, Moore, Flussauen – perfekte Lebensräume. 

🏔️ Landschafts-Zonen der Eiszeit in Andalusien

1️⃣ Hochgebirge – Sierra Nevada

  • echte Gletscher (bis ca. 2.500 m)/ Kare, Moränen, U-Täler/ Quelle vieler Flüsse

🧠 Heute Wanderparadies – damals Eisfabrik.

2️⃣ Becken & Senken – z. B. Padul

  • tektonische Absenkung/ Lagunen & Moore/ Sedimente als Klimaarchiv

🦣 Hier versanken Mammuts – und blieben erhalten.

3️⃣ Küstenebenen

  • breitere Küsten (Meeresspiegel tiefer)/ Feuchtwiesen & Steppen/ Wanderrouten für Großtiere

🌊 Das Meer war weiter weg – die Landschaft größer.

 

🦣 Typische Eiszeit-Bewohner Andalusiens

  • Steppenmammut (Mammuthus trogontherii)/ Wollnashorn

  • Auerochse & Wildpferd/ Säbelzahntiger (ja, wirklich!)

👉 Andalusien war kein Randgebiet, sondern ein Hotspot der Megafauna

🪨 Warum wissen wir das heute?

Geologie verrät alles:

  • Moor-Sedimente → Pollen & Klima

  • Knochenfunde → Tierwelt

  • Schichtfolgen → Zeitachsen

  • tektonische Becken → natürliche Archive

🧠 Die Landschaft hat mitgeschrieben – wir lesen nur nach. 

👣 Und der Mensch?

  • frühe Jäger & Sammler /nutzten Flussauen & Lagunen/ folgten Tierherden

🗿 Mammuts waren nicht nur Staunen – sondern Speisekammer. 

🧠 Merksatz für Leser

Andalusien zur Eiszeit war kein kalter Süden, sondern ein grüner, feuchter Übergangsraum
zwischen Eis, Wildnis und Mensch.